sambagruppe & drumcicles in der hebbelstrasse

Seit Mitte Mai 2014 gibt in der Hebbelstraße ein neues Projekt.

In Kooperation von Mitgliedern der Gruppe Sambattac, der Spielstube Hebbelstraße und dem Förderverein Hebbelstraße ist eine kleine Sambagruppe am Entstehen.

Sobald sie sich zusammengerauft und etwas eingespielt hat, soll die Gruppe die Freude am Trommeln, das Erleben von Teamarbeit und Freizeitspaß an ein oder zwei Nachmittagen an alle interessierten Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung weitergeben.

Dies geschieht in sogenannten Drumcircles.

Ein Drumcircle ist eine Art Happening, an dem Jeder und Jede, egal welchen Alters, teilnehmen kann. Mitzubringen sind: Gute Laune, Kochtopf und -löffel, Waschbrett oder Trommel oder andere entsprechende Gerätschaften, mit denen dann ordentlich und gemeinsam Rhythmus erzeugt wird. Natürlich wird in einem Begleitprogramm für das leibliche Wohl gesorgt werden. Denn Trommeln macht Hunger und Durst.

Soweit die Idee.


Jetzt kommt die Praxis.

Das Angebot hatte zwei Vorgaben. Die Mitglieder der Sambagruppe sollten zwischen 10 und 16 Jahren alt sein und die Gruppe sollte nach einer anfänglich geduldeten Fluktuationszeit von ca. 4 Wochen eine feste personelle Zusammensetzung haben.

Im Folgenden wollen wir Euch über die Entwicklung in kurzen „Tagebuchaufzeichnungen“ auf dem Laufenden halten.

TAGEBUCH

13.05.

Akteure und Gerätschaften lernen sich zaghaft kennen und raufen sich zusammen.

samba samba samba samba samba

20.05.

Der Begriff der Sambaschule bekommt eine neue Bedeutung. Denn neben dem Trommeln arbeiten wir noch ein weites Feld ab. Zum Beispiel ist es wichtig, pünktlich am verabredeten Ort zu sein. Für einige Gruppenmitglieder ist das gar nicht so einfach. Auch ist das für unsere Altersgruppe bekannte „rumkaspern“ und „sich profilieren“ zwar verständlich, muss aber immer wieder in vertretbare Grenzen zurückgeführt werden. Und ganz wichtig: Teamarbeit. Jede/r steht im Mittelpunkt, muss etwas tun und gleichzeitig auf die anderen achten - ein gutes soziales Trainingsfeld, was sogar Spaß macht.

10.06.

sambaJetzt wird es schwierig mit der Dokumentation, denn von außen sichtbar scheint nichts Neues zu geschehen. Aber bei den einzelnen Gruppenmitgliedern passiert viel. Neben der Begeisterung kommt die Erkenntnis, dass trommeln körperlich richtig anstrengende Arbeit ist, dass ein Wunsch/Ziel nicht einfach vom Himmel fällt, sondern auch Monotonie und „sich durchbeißen“ (üben, üben, üben, …) bedeutet.

Trotzdem halten bis jetzt alle durch.

02.07.

Heute gab es Besuch von Sambattak Braunschweig, d.h. die Gruppe hat einfach kurzfristig ihre Übungsstunden auf den Quartiersplatz der Hebbelstraße verlegt und hat unsere kleine Gruppe mitüben lassen. Allen Beteiligten hat es sehr viel Spaß gemacht. Und auch den Anwohnern hat es gefallen, mit anderen Worten: Es hört sich schon richtig gut an!

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31.07.

Am 31.Juli veranstalteten verschiedene Einrichtungen aus der Umgebung ein Ferien-Eröffnungsfest.

Unsere Samba-Gruppe - bzw. der Teil, der noch nicht in Urlaub gefahren ist – führt mit ganz viel Unterstützung von Sambattac und anderen Kindern einen „Schnupperworkshop“ durch.

Das Interesse ist sehr groß. Über Nachwuchs muss mensch sich keine Sorgen machen.

samba samba

Dann kommt die lang erwartete und verdiente Sommerpause.

24.09.

Jetzt wird es ernst: Der große Auftritt der Hebbel-Samba-Fighter auf dem Eröffnungsfest der Outdoor-Fitnessfläche in der Hebbelstraße.

Nach langer Pause in den Sommerferien wurde in den letzten 2 Wochen noch einmal schnell die etwas zum Chaos neigende Urlaubsstimmung heraus- und das richtige Taktgefühl hereingetrommelt und das langsam zunehmende Lampenfieber bearbeitet.

Aber am 24.9. waren alle da und haben einen richtig tollen Auftritt vor größerem Publikum gehabt.

Mit dem geplanten Drum-Circle lief es nicht ganz so gut. Es haben zwar viele Kinder mitgetrommelt - die Gruppe bestand vorübergehend aus über zwanzig Personen -, von den Erwachsenen aus der Hebbelstraße nahm aber niemand teil. Mit dem älter-werden steigen wohl auch die Hemmungen, sich in spontane Situationen zu begeben.

samba samba samba

Im Großen und Ganzen war's das mit dem Projekt.

Im Oktober gibt es noch ein wenig Abgesang, ein gemeinsames Essen der Gruppe und eine ausführliche Planung, wie es sinnvoll weitergehen kann. Dass es weitergeht, steht schon fest. Wir haben nämlich eine großzügige Spende vom Lions-Club Dankwardstraße bekommen.

 

SAMBA SOMMER 2014 IN DER HEBBELSTRASSE

Eine persönliche Betrachtung des Projektes von Trommellehrerin Hanna und Trommmellehrer Marian

Es ist das Jahr 2014. Es ist eines dieser Jahre, in dem viele Menschen unterschiedlichster Nationen zusammenkommen, in dem jung und alt zusammen für jeweils 90 Minuten wie gebannt einem weißen Flecken auf dem Monitor folgen. Kurzum, es ist ein Jahr mit Fußballweltmeisterschaft. Dieses Mal findet sie in Brasilien statt, einem sehr vielseitigen Land, einem Land mit vielen gesellschaftlichen Problemen, und das Land, aus dem der Samba kommt. Aber nicht nur dort sind viele Menschen begeistert von heißen Sambarhythmen, auch hier in Deutschland, in Braunschweig, in der Hebbelstraße. So wuchs dort die Idee, mit den ansässigen Kindern ein Sambaprojekt zu starten. Dieses Projekt sollte den Kindern dort helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und Lernen zu lernen. Denn Samba erfordert Konzentration, Mitmachen, Zuhören, Rücksichtnehmen, aber auch sich gegenseitig helfen und Spaß haben. Dazu sollte es die Anwohner, die verschiedener ethnischer Herkunft sind, näher zusammenbringen. Kurzum, Sozialarbeiter Matthias hat Gelder organisiert und Hanna und Marian von der Gruppe sambattac als TrainerInnen sowie Tanja als helfende Hand und den Kindern bekannte Person engagiert. Im Folgenden schildern wir, Hanna und Marian, das Projekt aus unserer Sicht.

Die erste Probe war Mitte Mai. Wir waren aufgeregt, die Kinder kennenzulernen. Wie sind die wohl drauf? Um es auf den Punkt zu bringen: Nett und chaotisch. Viele von ihnen sind total musikalisch und kennen auch durch ihre Familien bereits Trommeln. Das Zuhören allerdings gestaltete sich als sehr schwierig. Kaum, dass die Instrumente zu sehen waren, gab es ein unglaubliches Gewusel und Getöse. Deshalb erst einmal OHNE Instrumente aufstellen und sich vorstellen und Klatschübungen machen. Wenn sie mitbekommen hatten, was wir gerade machten, klappte es musikalisch schon ganz gut. Nach der ersten Probe hatten wir eine heisere Stimme und waren erst einmal erleichtert, dass es vorüber war. Wir empfanden aber auch Frust, dass das Zuhören so schwierig war und ehrlich gesagt hegten wir auch ein paar Zweifel, ob dieses Projekt denn überhaupt klappen kann.

Zur nächsten Probe wurde die Gruppenzusammenstellung nochmal etwas umgestellt, wir waren etwas vorbereiteter und haben auch ganz klar die Kinder für drei Minuten rausgeschickt, wenn sie störten oder gegen die Regeln verstießen, die wir gemeinsam besprochen haben. So bildete sich eine gewisse Ordnung und Struktur, die es ermöglichte, zusammen Musik zu machen – kein Vergleich zur ersten Probe. Die Kinder fanden es so gut, dass sie am Ende gar nicht aufhören wollten. Auch wir waren "geflasht".

Die nächsten Proben brachten sehr viele Erfolgserlebnisse mit sich. Wir lernten, uns mehr auf die Kinder einzustellen. Beispielsweise die schwierigen Betonungen auf der Snare mit der Pfeife mitzupfeifen, schwierige Stellen zusammen und dann jeder einzeln zu trommeln oder auch die Probe früher zu beenden, wenn einmal die Luft raus war. Und die Kinder lernten auch, sich auf uns einzustellen, also sorgsamer mit den Instrumenten umzugehen, einigermaßen pünktlich zu kommen und auf die Signale zu achten, was wir gerade spielen. Dies haben sie sehr gut gelernt und legten dabei eine beachtliche Konzentration und Merkfähigkeit an den Tag. In kurzer Zeit haben sie etwa zehn Zeichen beherrschen gelernt, hinter denen sich teilweise musikalisch anspruchsvolle Zwischenspiele verbergen. Es gab immer mal wieder eine Probe, in der die Konzentration schwerer viel, sodass wir manchmal auch k.o. und frustriert aus einer Probe herausgingen. Auch stellten manche Situationen eine Herausforderung an das Team aus uns beiden dar, dass wir an einem Strang ziehen und nicht den Kindern verschiedene Botschaften übermitteln oder verschiedenes erlauben. Dennoch, der gelegentliche Frust wurde von viel Freude mehr als wettgemacht. Bis auf ein Kind, das aufgehört hatte, waren alle weiterhin dabei. Sie dachten sich den Bandnamen "Hebbel-Samba-Fighters" aus und waren schon gespannt auf unseren ersten alleinigen Auftritt, der im Herbst im Rahmen der Eröffnung eines Fitnessgeländes in der Hebbelstraße stattfinden sollte. Vorbereitend haben wir eine Probe von sambattac in die Hebbelstraße verlegt, um dort mit den Kindern zusammen in einer großen Battaria von etwas 20 Sambistas zu spielen. Dies hat Eindruck gemacht, auch auf die Anwohner. Andere Kinder von dort tanzten dazu und hatten auch ihr Interesse am Sambamachen bekundet. Auch war es für manche der Kinder aus unserer Gruppe – teilweise mitten in der Pubertät – gar nicht so einfach, mit den Mitgliedern von sambattac zusammenzuspielen. Dort waren nämlich auch Herren über 60 Mitglieder, die keineswegs, wie von den Kindern gedacht, zum alten Eisen gezählt werden konnten, sondern die sehr fit waren – auch in der Musik. Auch gab es in sambattac Lebensformen, die den Kindern fremd sind, beispielsweise spielte eine Transsexuelle mit. Doch auch hier konnten die Kinder ihre Vorurteile überwinden und mit ihr zusammen spielen. Es war trotzdem noch komisch für sie und auch noch Thema beim Abendessen, aber sie müssen es ja auch nicht toll finden, nur Toleranz und Fairness ist wünschenswert. Und das haben sie geschafft und mehr noch, sie haben zusammen Musik gemacht – Musik verbindet. Kurzum, die gemeinsame Probe war ein voller Erfolg, der von Seyman, einem der Kinder, mit einem Checka abgeklatscht wurde.

Nun folgten noch zwei Proben, teilweise mit kleinerer Besetzung, im Keller. Diese waren laut, aber auch lernintensiv. Die Rhythmen noch im Ohr, gingen wir in die Sommerpause.

Die nun folgenden Proben gingen im ähnlichen Stil weiter. Besonders Emre, eines der Kinder, zeigte viel Herzblut und ermahnte auch andere, wenn sie nicht gut aufpassen. Besonders bemerkenswert war, dass sie nichts über die sieben Wochen Sommerpause vergessen hatten. Unser Team hatte sich immer mehr eingespielt und es fühlte sich sehr stimmig damit an. So bereiteten wir Stück für Stück unseren Auftritt am 24. September vor. Das schwierigste schien zu sein, ein gemeinsames Outfit festzulegen. Doch am Tag vorher konnten wir uns dann doch auf die Farbe Blau einigen.

Nun war auch schon der 24. September. Gefühlt war alles etwas hektisch, Instrumente holen, Kinder zusammentrommeln, nochmal kurz anspielen, Ablauf mit Moderator absprechen usw. Die erste Generalprobe, leider nur in kleiner Besetzung, lief super. Zur zweiten Generalprobe waren dann alle da, sie war etwas unruhiger und holpriger, wahrscheinlich aber auch wegen der Aufregung. Der Auftritt jedenfalls lief dann sehr sehr gut. Wir sind kein einiges Mal herausgekommen und haben toll Samba gespielt, umrandet von Oi-Rufen am Start und Ende. Auch dem Publikum gefiel es gut, wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Am Kritischsten waren die Kinder mit sich selbst, doch die paar kleinen Verspieler hatte bestimmt niemand im Publikum registriert. Später am Nachmittag folgte noch ein Drumcircle, also eine Trommelrunde, die für alle Interessierten offen war. Es fanden sich viele Kinder ein, die mitmachen wollten, viel zu viele, als das die Instrumente gereicht hätten. Nach anfänglich starkem Gewusel bildete sich nach für nach eine Gruppe aus Kindern vor allem jüngeren Alters heraus, die es dann tatsächlich schaffte, richtig Samba zusammen auf die Beine zu stellen. Da waren wir begeistert. Leider wurde das etwas überschattet durch eine Schlägerei nebenan, in die auch Kinder unserer Trommelgruppe verwickelt waren. Nach einer kurzen Unterbrechung aber haben wir weitergespielt und so bis zur letzen Minute der Feierlichkeit Samba gespielt.

Zur Belohnung sind wir dann zusammen Burger essen gegangen. Die meisten Kinder hatten Lust, weiterzumachen, allerdings waren sie skeptisch, mit den kleineren Kindern zusammen zu spielen. Uns waren die Kinder jedenfalls ans Herz gewachsen, auch die Gespräche beim gemeinsamen Essen waren schön. Wir freuten uns mit ihnen über ihre Erfolge.

 


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